Die deutsche Industrie steht vor gewaltigen Herausforderungen: Globalisierung, Digitalisierung und disruptive Technologien verändern jahrhundertealte Geschäftsmodelle. Wie ein mittelständisches Unternehmen aus dem Schwarzwald diesen Wandel aktiv gestaltet, erklärt Lars Schoch, geschäftsführender Gesellschafter von Schoch Edelstahl in Hausach.
Schoch Edelstahl ist ein typisches süddeutsches KMU in zweiter Generation mit rund 50 Mitarbeitern. Das Unternehmen agiert sowohl als Händler für Standardbauteile als auch als Hersteller von Sonderteilen wie Flanschen, Fittings und CNC-Dreh- und Frästeilen. Die Spezialität liegt in der Bearbeitung von Edelstahl und schwer zerspanbaren Werkstoffen wie Monel, Hastelloy oder Titan. Dabei positioniert sich Schoch bewusst als Manufaktur für auftragsbezogene Variantenfertigung und nicht als Massenfertiger. Die hochpräzisen Bauteile finden ihren Einsatz in anspruchsvollen Branchen: von der Mess- und Regeltechnik über die Chemie- und Pharmaindustrie bis hin zur Lebensmitteltechnik. Überall dort, wo extreme Korrosions- oder Hygieneprobleme bestehen, ist Schoch Edelstahl gefragt – so etwa bei Pumpenteilen für die Impfstoffproduktion oder Komponenten für LNG-Tanker.
Der entscheidende Wettbewerbsvorteil liegt in der Verknüpfung von Händlerkompetenz und Hersteller-Know-how. Schoch bietet seinen Kunden echten Mehrwert durch Serviceleistungen wie Just-in-time-Lieferungen, Konsignationssysteme und sogenannte Cost-Down-Projekte. Bauteile werden wertanalytisch geprüft und Optimierungsvorschläge unterbreitet. Ein Beispiel aus der Praxis: Durch die Umstellung eines geschweißten Teils auf Laserschweißen konnte der Verzug eliminiert werden, sodass empfindliche Messsonden bei der Montage nicht mehr zerstört wurden.
Auch intern treibt Lars Schoch die Transformation massiv voran. Die Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz sind für ihn keine Zukunftsmusik, sondern Überlebensnotwendigkeit. Das unternehmenseigene ERP-System wird derzeit mit KI-basierter Automatisierung ausgestattet, um manuelle Tätigkeiten zu reduzieren und die Effizienz zu steigern. Angesichts des eklatanten Fachkräftemangels in Deutschland und der hohen Standortkosten sieht Schoch in KI und Robotik den einzigen Weg, um als mittelständisches Unternehmen wettbewerbsfähig zu bleiben.